Bertelsmann Stiftung mit Suchmaschinen-Konferenz

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Bertelsmann Stiftung mit Suchmaschinen-Konferenz

Bertelsmann Stiftung mit Konferenz zu SuchmaschinenDie Bertelsmann Stiftung lädt zu einer, am 10 und 11 Mai in Berlin stattfindenden Suchmaschinen-Konferenz ein. Hierbei sollten vordergründig medien- und gesellschaftspolitische Aspekte der Informationssuche und deren Bedeutung im Zusammenhang mit zukünftigen Strategien und Suchtechnologien der Suchmaschinen-Betreiber erläutert werden. Doch was verbirgt sich wirklich dahinter ?

Die Bertelsmann Stiftung - gegründet 1977 von Reinhard Mohn - die die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG hält, hatte 2003 eine Initiative gegründet mit dem Ziel "Informationszugang transparenter machen und Qualität der Suchergebnisse zu verbessern"; die ersten Ergebnisse dieser Initiative wurden im Rahmen der Münchner Medientage 2003 präsentiert und gipfelten in einem, vom selbsternannten Regulierungsrat erarbeiteten Verhaltenscodex (Code of Conduct - PDF-Download) für Suchmaschinen-Betreiber.

Die in diesem Dokument auferlegten "Verhaltensregeln" stellen einmal mehr die Absurdität deutscher Regulierungswut eindrucksvoll unter Beweis und rufen unter international anerkannten Suchmaschinen-Experten berechtigte Zweifel, sowohl an deren Realitätsnähe, wie auch an der technischen Kompetenz und Praxisnähe der Verfasser.

Originalzitat aus dem "Code of Conduct" § 1

Ebenso beschreiben die Suchmaschinenbetreiber, welche Formen der Manipulation von Websites (Spamming) im Zweifelsfall zu einem Ausschluss aus den Ergebnislisten führen.

Dass diese Forderung von den Marktführern längst erfüllt ist und somit dieser Punkt des Papiers bereits zum Zeitpunkt der Publizierung obsolet war, hätte den selbsternannten Experten spätestens bei einem oberflächlichen Studium der entsprechenden Webseiten auffallen müssen, so hier am Beispiel der Google-Richtlinien und der Google-Spammeldung.

Originalzitat aus dem "Code of Conduct" § 2

Die Suchmaschinenbetreiber gestalten ihre Ergebnisseiten möglichst transparent. Inhalte, die ihre Position in der Ergebnisliste einer kommerziellen Vereinbarung verdanken, werden eindeutig gekennzeichnet.

Offensichtlich hatten die Verfasser dieses Papiers die Positionierung und Kenntlichmachung bezahlter Werbeanzeigen innerhalb führender Suchmaschinen niemals intensiv beleuchtet: ob Google's AdWords oder die als "Sponsored Listings" gekennzeichnete Werbeeinblendungen anderer Anbieter, sind diese Unterschiede den meisten Internet-Nutzern sehr wohl bewusst und seitens der Betreiber meistens eindeutig gekennzeichnet, bzw. gesondert positioniert...

Originalzitat aus dem "Code of Conduct" § 4

Nach nationaler Gesetzgebung als illegal geltende Seiten werden aus den Ergebnislisten entfernt, sobald die Suchmaschinenbetreiber Kenntnis davon erhalten und Zugriff auf die illegalen Seiten im Index haben.

Diese wahnwitzig erscheinende Forderung stellt die Unkenntnis über international geltende Rechtsgebung und die megalomanisch anmutende Respektlosigkeit gegenüber das Rechtsempfinden und Demokratieverständnis der "Usprungsländer" führender Suchmaschinen-Betreiber eindrucksvoll unter Beweis: Die Meinungsfreiheit hinsichtlich politischer oder andersweitiger Äusserungen wird ausserhalb - an sinnlosen Vorschriften und Regelungen erstickenden - Absurdistans ernst genommen und auch als solches verstanden und respektiert. Langfristig gesehen, werden hier Sperrungsverfügungen oder sonstige sinnlose - auf den Rücken der Steuerzahler ausgetragene - Massnahmen kaum greifen. Hilfreich wäre allerdings für den selbsternannten Regulierungsrat, eine intensive Auseinandersetzung mit den Grundprinzipien des Internets...

Nun stellt sich die Frage nach dem Warum: Insider mutmassen hierzu, Bertelsmann versuche hiermit das verlorene medienpolitische Terrain - beispielsweise durch die für den Konzern nicht kontrollierbare publizistische Macht und Vielfalt des Internets - zurückzugewinnen. Motto: Wer die Suchmaschinen kontrolliert, kontrolliert Informationsfluss und Meinungsbildung. Der Konzern hatte frühzeitig, nicht zuletzt durch seine bedeutende Finanzstärke, zahlreiche Chancen - als Early Adopter - sich hier Marktanteile zu sichern...Chancen, die durch falsches Verständnis des Mediums Internet und einer fehlerhaften Einschätzung der Zukunftsmärkte, vertan wurden.

Sollte diese Initiative und die "Suchmaschinen-Konferenz" tatsächlich den Versuch darstellen, in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Medien NRW (bekannt für ihre umstrittene Rolle im Zusammenhang mit Internet-Zensur und Sperrungsverfügungen), Kontrolle über "Information Retrieval" und dargestellte Inhalte zu erhalten, so wird dieser kläglich scheitern...im Sinne der Informationsfreiheit !

 

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