Der Monat März rief bei vielen Nutzern von Suchdiensten grosses Staunen hervor: im Kampf um deren Gunst, überschlugen sich die Suchdienst-Giganten mit neuen technischen Features und mit Ankündigungen neuer Technologien und Zusatzdienste. Google schlug zuletzt zu und kündigte einen FreeMail-Dienst mit einem Gigabyte Speicherplatz an. Die über die ganze Welt verteilte Gemeinde der Google-Jünger brach in Jubel aus und orakelte schon über Yahoo's Untergang: Google's Suchtechnologie sei sowieso besser, mit einem derartigen Zusatzdienst wie Gmail - und noch dazu mit einem Gigabyte (!!!) Speicherplatz - könnte die gesamte Konkurrenz eh einpacken. Google will ja nur das Beste für seine User, wiederholen ständig die geschickten Marketing-Strategen aus Mountain View, und die Fans nicken ehrfurchtsvoll ab. Google, das sind die Guten, die Vorboten einer neuartigen demokratischen Kultur, die technischen Highflyer und Verkünder einer automatisierten Ära, lassen die Marketer verbreiten...und die Jünger brechen in Jubel aus. Google's Ankündigung eines EMail-Dienstes mit einem GByte Speicherplatz, wobei aufgrund der enormen Speicherkapazität, EMails "nie mehr gelöscht werden müssen", scheidet allerdings ausserhalb der Community die Geister: der kalifornische Suchdienst will anhand der Inhalte der elektronisch versendeten Post, jedem Dienstteilnehmer "personalisierte Textwerbung" ausliefern, was soweit legitim wäre. Allerdings will Google diese Werbung "personalisieren" indem es die Inhalte - laut eigener Aussage - maschinell parst, sprich mit Hilfe vorhandener Suchtechnologien ausliest und auswertet; berichtet beispielsweise der Inhalt einer Mail über Urlaubserlebnisse auf Mauritius, so könnte der Versender der Gmail demnächst Einblendungen von Urlaubsanbieter auf Mauritius geliefert bekommen. Originalzitat GmailGoogle's computers process the information in your email for various purposes, including formatting and displaying the information to you, delivering targeted related information (such as advertisements and related links)... We use this information internally to deliver the best possible service to you, such as improving the Gmail user interface, preventing fraud within our advertising system, and better targeting related information... Im automatischen Auslesen der EMail-Inhalte, sehen viele Bürgerrechtler einen eklatanten Rechtsbruch, gemäss europäischen Datenschutzrichtlinien. Laut Privacy-International-Direktor Simon Davies ist Google's angestrebte Kombination aus E-Mails und Web-Suchbegriffen "die bislang größte Sammlung an Informationen über das Leben eines Menschen" im Online-Bereich. Die Wahrung der Privatsphäre und des Briefgeheimnisses, als Grundbestandteile einer jeden demokratischen Gesellschaft müssten hierbei jedem mehr Wert sein als ein kostenloser EMail-Dienst, mit dem einzigen Zweck aus der Taufe gehoben, sich entscheidende Anteile innerhalb des Wachstummarktes personalisierte bezahlte Werbung zu sichern. |